Vor drei Jahren übernahm Florian Blume die Leitung der traditionsreichen Firma Koch & Bergfeld Corpus, deren Geschichte in zahlreichen Texten erzählt wird. Durch das Auslaufen des Mietvertrages bot sich die Gelegenheit an dem neuen Standort in der Überseestadt eine neue Konzeption auszuprobieren.

Th. W. Adorno nennt in der ästhetischen Theorie das Neue einen blinden Fleck und meint, dass Tradition nicht als ein ewiger Stafettenlauf zu verstehen sei, in dem „eine Generation, ein Stil, ein Meister dem nächsten die eigene Kunst in die Hand gäbe.“ Vielmehr gehe in die Moderne das fortgeschrittenste Verfahren der Produktion ein. Über den Zusammenhang von Tradition und Moderne ist zu reflektieren anhand der Idee einer gläsernen Werkstatt.

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NEUER STANDORT // NEUES KONZEPT

DIE GLÄSERNE WERKSTATT

Die Arbeit des Silberschmiedes ist vielgliedrig. Er muss Meister seiner Arbeitsmittel und –bedingungen sein. Erfahrung zeigt sich im ausüben und tradieren von Fähigkeiten. Das Werkstück zeigt seine Entstehung. Es bekennt sich zu dem Hergang und befriedigt dadurch das Bedürfnis, es verstehen zu können. Das Produkt ist eine aus Erfahrungswissen entstandenes Unikat oder eine serieller Gegenstand der Manufaktur. Einmaligkeit und Wiederholung bedingen sich je nach dem Zweck.

Dagegen findet in der industriellen Produktion eine Verkümmerung statt: Der Arbeiter beherrscht nicht mehr den Herstellungsprozess vielmehr wird er durch die Maschine dressiert. Seine Arbeit richtet sich gegen seine Erfahrung. Das Abeitsprodukt wirkt leer und lässt den Herstellungsprozess nicht mehr erkennen. So erscheint die Ware als phantasmagorische. Das führt dazu, dass der Konsument dieser Ware seinen Sachverstand verliert und den Gebrauchswert nicht mehr prüfen kann; er verfällt dem ästhetischen Schein der Ware.